Der Chindertroum ist einzigartig und geprägt vom Prinzip „Freiheit im Einklang mit der Natur“.
Die Einzigartigkeit des Chindertroums mit der professionellen Kinderbetreuung ist eine Bereicherung für die Familie. Dem Kind wird ein über die Familie und ihre Umwelt hinausführender Daseins-, Erlebens-, und Handlungsraum eröffnet. Im Chindertroum lernt das Kind die Schönheit und die Vielseitigkeit der Natur kennen und schätzen, indem es seine Beziehung zu ihr erweitert und vertieft.
Die Natur bietet Kindern in erster Linie Freiheit und einen Raum zum Spielen ohne Anleitung. Einen Raum für Entdeckungen. Einen Raum, wo sie Lärm machen, im Dreck spielen, balancieren und klettern lernen können. Einen Raum, in dem die Kinder viele Möglichkeiten entdecken, wie sie sich mit sich selber und mit anderen spielerisch beschäftigen können.
Ziel ist, Kinder in Kontakt mit der Natur zu bringen und die Beziehung zur natürlichen Basis zu verstärken oder wieder herzustellen. In der Natur können Kinder sich frei entfalten. Ihrer Phantasie und ihrer Bewegung werden möglichst wenig Grenzen gesetzt. So wird die Entwicklung des Kindes auf eine besondere Weise stabilisiert und geprägt.
Der Wald hat vielerlei positive Effekte auf die Entwicklung von Kindern. Das Kind hat ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Bewegung und Wahrnehmung. Beides kann im Wald auf besondere Weise erfüllt werden. Hinzu kommt, dass sich die Entwicklung der Motorik positiv auf die Entwicklung der kognitiven Fähigkeiten auswirkt.
Es werden alle Sinne angesprochen: Es duftet nach Moos. Die Natur kann erfühlt und ertastet werden. Ungewöhnliche und neue Geräusche kommen von überall her. Der Wald ist eine Umgebung, der die Motorik und die Kognition des sozial- emotionalen Erlebens stimuliert. Das ist besonders wertvoll in einer Umwelt, die immer weniger dem dringenden kindlichen Bedürfnis nach Lernen und Entdecken entspricht.
Die Strassenspielkultur (die Möglichkeit, sich mit anderen Kindern auf der Strasse zum Spielen zusammenzufinden) ist in der Regel nur noch in ländlichen Gebieten gegeben. Zunehmende Bebauung von Freiräumen und die Zunahme des Strassenverkehrs sorgen dafür, dass Kinder nicht mehr ungehindert und ohne Erwachsenenbegleitung selbst gewählte Plätze zum Spielen aufsuchen können.
An die Stelle primärer Spiel- und Sinneserfahrungen sind die „Erfahrungen aus zweiter Hand“ getreten:
Übermässige Beschäftigung mit elektronischen Medien (Videospiele, Computer, Fernsehen, …) ist immer gleichbedeutend mit einer einseitigen Beanspruchung der Sinne. Abgesehen von der möglichen Überforderung durch Reizüberflutung geht den Kindern durch das passive Konsumverhalten aktive Bewegungszeit verloren
Im Chindertroum erleben die Kinder die Natur authentisch und einfach. Sie werden aufmerksam auf grundlegende sich wandelnde Lebensprozesse und erleben die unerschöpfliche Vielfalt der Natur und ihrer Ressourcen im Jahreszyklus. Das ist von grossem Wert für eine nachhaltige Entwicklung des Kindes. Zudem wird den Kindern spielerisch Wissen über Wald- und Forstwirtschaft vermittelt.
Die Natur schenkt uns ein ideales variables Schulzimmer der Jahreszeiten, wie kein anderer Lehrmeister.
Die Schätze, die die Kinder in ihren Händen halten, regen ihre Fantasie an und gewinnen Leben. Die Blüte wird zum Schmuckstuck, die Rinde zum Schiff, ein Grashalm zur Flöte, … Die durch die Jahreszeiten bedingten Spiele helfen den Kindern, den Jahresablauf bewusst zu erleben und den natürlichen Rhythmus der Pflanzenwelt zu beobachten. Das geschieht am besten durch das Spiel. Durch das Spiel erhält das Kind einen Freiraum, um Erlebnisse nach seinen Bedürfnissen zu schaffen und zu verarbeiten und Spannungen abzubauen.
Was bedeutet der Aufenthalt im Wald für die Kinder im Chindertroum?
Der Aufenthalt im Wald ermöglicht Kindern eine intensive Auseinandersetzung mit der Natur. Sie erhalten Gelegenheit, das ganze Jahr hindurch Pflanzen und Tiere in unterschiedlichen Entwicklungsstadien zu beobachten. Das Fehlen von konfektioniertem Spielzeug weckt die Kreativität und regt die Phantasie der Kinder an. Naturmaterialien, wie Moos, Stöcke, Baumrinde oder Blätter bekommen einen besonderen Reiz, wenn Kinder ihnen im Spiel eine Bedeutung und Funktion zuordnen.
Was bedeutet das Spiel für die Kinder in dem Waldkindergarten Chindertroum?
Ohne Anspruch auf Vollständigkeit fasse ich hier einige unserer Beobachtungen zusammen:
Das Spiel bedeutet für das Kind, sich auf die Realität einzulassen und sie so zu bewältigen. Es befriedigt seinen Bewegungsdrang (laufen, hüpfen, balancieren, …), es übt sich in verschiedenen Fähigkeiten und Fertigkeiten (schneiden, falten, zeichnen…), es erlebt die Wechselwirkung zwischen aktiv sein und geschehen lassen, es verarbeitet Erlebnisse und sucht neue Möglichkeiten und Lösungen für verschiedene Situationen (experimentieren, erproben, konstruieren, …), es kann mit unstrukturiertem Naturmaterial bauen. Seine Phantasie und Kreativität wird durch naturbezogene Geschichten von Zwergen und Gnomen angeregt.
Naturerfahrung ist das Staunen über die raffinierte Architektur eines Spinnennetzes, aber auch das Erlebnis, wie ausweglos ein Insekt ist, wenn es in das Netzwerk hineinfliegt. Naturerfahrung ist das Erleben einer Krötenwanderung, die Verpuppung einer Raupe. Naturerfahrung ist die Wahrnehmung von Wassertropfen, wie sie nach dem Regen als leuchtende Perlen auf Blättern sitzen. Naturerfahrung ist das Gewahr werden des Zusammenspiels zwischen Bienen und Blumen. Naturerfahrung ist das körperliche Erleben von physikalischen Kräften. Diese Vielfalt der Naturphänomene ist überall erfahrbar, auch in den Metropolen der Welt, wenn man mal sein Bewusstsein entsprechend geschärft hat.
Die Natur überflutet die Kinder nicht mit Reizen, die Kinder müssen den Reiz selber entdecken und erzeugen. Erforschen, Begreifen und Erleben werden selbstbestimmt ausgelöst. Die Kinder können interessiert an der Sache bleiben und werden nicht durch Lärm und Zeitdruck abgelenkt. Zudem sammelt das Kind in der Gruppe Erfahrungen mit den Regeln des sozialen Verhaltens.
Es lernt, seine eigenen Bedürfnisse zu erkennen und zu vertreten, es lernt mit Gleichaltrigen umzugehen, zu teilen, anderen zu helfen und Konflikte selbständig zu lösen.
Der Chindertroum ist geprägt vom Prinzip „Freiheit im Einklang mit der Natur“, der freien Wahl und der individuellen Erziehung. Grösstmögliche Freiheit der Kinder in der Wahl der Tätigkeit und des Tempos sind elementar. Die Selbständigkeit wird gefordert und gefördert, das Selbstvertrauen gestärkt und bereichert. Die Kinder lernen weitgehend selbstbestimmt und können selber Entscheide treffen. Die Selbstkompetenz entwickelt sich spürbar weiter.
So werden die vielfältigen Möglichkeiten und Chancen, die der Spielraum Wald bietet, genutzt. So schärfen die Kinder ihre Sinne und beschäftigen sich mit räumlichen Bedingungen und kausalen Zusammenhängen. So lässt die WaldKita Chindertroum die Kinder die ganzheitlichen Erfahrungen sammeln, die in den ersten Lebensjahren so prägend und wichtig sind.
Ein wichtiges Element der WaldKita Chindertroum ist ihr idealer Standort: Stadtnähe und naturverbundenheit sind auf dem Spielplatz Steinhölzli gegeben. Er hat ein grosses Entwicklungspotential und gute Entfaltungsmöglichkeiten.
Ein Herzstück der Tagesstruktur und ein sicherer Zufluchtsort steht neben dem Wald: Der Bauwagen. Ein Ort, der zur Oase wird, so wenn es im Wald wegen Sturm zu gefährlich wird, oder wenn man im Winter einen heissen Tee zum aufwärmen braucht.
Köniz, 10.5.2014 – Andrea Wolfensberger Leiterin Chindertroum